Infrarotheizung: die angenehme und unsichtbare Heizung

Verfasst von: Michael Claus
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Infrarotheizung
In diesem Artikel
  • Watt ist los? Wie viel Leistung und Strom braucht moderne Infrarottechnik wirklich?
  • Die Infrarotheizung als alternative Elektroheizung für energieeffizientes Wohnen.
  • Fans finden: Mit Wärme durch Strahlung heizen statt durch zirkulierende Heizungsluft hat viele Vorteile!

Die Infrarotheizung gewinnt immer mehr an Zuspruch. Immer beliebter ist diese Art von Heizung vor allem, weil sie nur einer sehr einfachen Infrastruktur bedarf.

Nur eine Steckdose ist nötig. Heizungskessel, Heizungsrohre, Pumpen und weiteres Heizungszubehör entfallen. Schmutz entsteht mit dieser Heizung vor Ort praktisch überhaupt nicht.

Denn Strom ist in der Anwendung eine sehr saubere Sache. Hinzu kommt, dass Infrarotheizungen sehr effizient mit dem Energieträger Strom umgehen. Wirkungsgrade von 90 bis 98 Prozent sind für eine moderne Infrarotheizung normal.

Viele Menschen schätzen an dieser Heizungsanlage zudem, dass sie durch ihre Strahlungswärme ganz anders arbeitet als die meisten Systeme, die auf Konvektion setzen. Alle interessanten Informationen zur Infrarotheizung kannst Du in diesem Artikel finden!

Infrarotheizung Frau Wohnzimmer
Eine Infrarotheizung spendet angenehme Wärme, die schnell auf Knopfdruck wirkt

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Die Infrarotheizung ist eine elektrische Heizungsanlage, die Wärme mittels abgestrahlter Infrarotstrahlen erzeugt. Diese spezielle Elektroheizung funktioniert nach dem Prinzip der Strahlungswärme. Sie erhitzt also nicht die Luft selbst, sondern gibt ihre infrarote Strahlung an Gegenstände und Menschen im Raum ab, die ihrerseits dann wiederum mitheizen.

Das empfinden viele Menschen als eine sehr angenehme Wärme. Und weil Infrarotheizungen eben nicht die Luft erwärmen wie klassische Heizungssysteme (dieses andere Prinzip nennt man Konvektion), sondern vielmehr Wände, Dinge oder Körper durch infrarote Strahlen aufheizen, verwirbeln sie auch keine Luft. Durch diesen Effekt genießt infrarotes Heizen besonders bei Allergikern und Asthmatikern große Beliebtheit.

„Heizen mit Infrarot ist bequemes indirektes Heizen mit wohliger Wärme. Störende zirkulierende Heizungsluft gibt es beim Infrarotstrahler nicht.“

Unter den Elektroheizungen gelten Infrarotheizungen zudem als sehr energieeffizient. Eine moderne Infrarotheizung heizt sehr schnell und stellt rasch ein behagliches Wohnklima her. Auch für Fans von gutem Design sind IR-Heizungen eine gute Alternative. Denn nahezu jede Infrarotheizung lässt sich so gestalten, dass sie als Heizung gar nicht mehr auffällt.

Infrarot Heizpaneele guter Qualität können sich zum Beispiel als Bild an der Wand nahezu „unsichtbar“ in die Innengestaltung einfügen oder verschwinden als neutrales weißes Deckenpaneel einfach über den Köpfen. Last but not least benötigen Infrarotheizungen als Elektroheizungen kaum Wartung. In der Tat tendieren die Kosten für den Service von Infrarotheizungen gegen Null.

Infrarotheizung Wand Spiegel
Bild an der Wand oder Spiegel im Bad: Infrarot Heizpaneele, die gar nicht auffallen

Arten von Infrarotheizungen

Die praktische Unsichtbarkeit von Infrarottechnik ist wirklich ein großer Vorteil für viele Anwender. Damit Du ein besseres Gespür dafür bekommst, was damit gemeint ist, listen wir Dir in einem kurzen Überblick gerne mal auf, in welcher Vielzahl an Ausführungen sich eine Infrarotheizung prima „verstecken“ lässt.

Auswahl an Beispielen für Arten von Infrarotheizungen, die kaum jemand auf den ersten Blick als Heizung wahrnimmt (von A-Z): 

  • Deckenheizung: weißes flaches Heizpaneel an der Decke
  • Deckenheizung: lampenartig von der Decke abgehängte kleinere Heizpaneele
  • Möbelheizung: unscheinbare Infrarot Spiegelheizung im Bad
  • Standheizung: hübsch gestaltetes Standpaneel als Raumtrenner
  • Wandheizung: Heizpaneel als schönes Bild an der Wand (sog. Bildheizungen)
Energieeffizienz Wärmebild Haus
Das A und O beim Kauf einer Infrarotheizung ist eine gute gedämmte Gebäudehülle

Effizienz und Kosten einer Infrarot-Heizung

Die Effizienz von Infrarotheizungen wird für gewöhnlich in Form eines sog. Wärmewirkungsgrades angegeben. Dieser Wärmewirkungsgrad sagt aus, wie viel Prozent der zugeführten (in dem Fall elektrischen) Energie von der Heizung tatsächlich als Wärme an den Raum zurückgegeben wird.

Im Vergleich zu älteren Heizungen mit Öl oder Gas (10 Jahre und älter), die einen Wärmewirkungsgrad von etwa 70 bis 80 Prozent haben bzw. neueren Öl- oder Gasheizungen (Brennwertgeräte), die einen Wärmewirkungsgrad ab 99 Prozent erreichen, besitzen Infrarotheizungen in der Regel einen ordentlichen Wärmewirkungsgrad zwischen 90 und 98 Prozent.

„Ob sich eine Infrarotheizung für Dich lohnt, kannst Du nur im Dreiklang von Wärmewirkungsgrad der Heizung, Dämmung Deiner Immobilie und Deiner tatsächlichen Heizlast herausfinden.“

Von ganz besonderer Wichtigkeit bei der Betrachtung, ob eine Infrarotheizung für Dich wirklich eine effiziente Lösung ist, ist der Dämmungszustand Deines Hauses. In sehr gut gedämmten Gebäuden oder Wohnungen beispielsweise kann eine Infrarotheizung sehr effizient arbeiten. In älteren Bestandsbauten mit mittelprächtiger Dämmung schneidet diese Heizung aber schnell schlechter ab.

Denn genau die Dämmung bzw. die Isolierung aller Bauteile und ggf. Wärmebrücken entscheidet maßgeblich über die Heizlast. Und die Heizlast wiederum ist es, mit der Du die Verbrauchskosten berechnen kannst. Die verhältnismäßig günstigen Anschaffungskosten für eine Infrarotheizung sind also nur die eine Seite der Medaille. Die laufenden Kosten machen am Ende die Rechnung erst wirklich aussagekräftig.

Fachberatung Energieberatung
Bei der Anschaffung einer Infrarotheizung gibt’s gar nicht so viel zu rechnen ©one photo/Shutterstock.com

Anschaffungskosten einer Infrarotheizung

Infrarotheizsysteme sind im Vergleich zu anderen Heizsystemen günstig in der Anschaffung. Denn bei der Infrarotheizung fallen viel weniger Installationen rund um die Heizung an, als es zum Beispiel bei einer Heizung mit einem zentralen Wärmeerzeuger (Kessel oder Wärmepumpe) notwendig ist.

Eine Infrarotheizung braucht zwischen den einzelnen Heizkörpern beispielsweise keine Rohre, Leitungen oder Ventile. Auch ein Pufferspeicher oder ein Lager für Brennstoffe sind nicht nötig. Diese Kosten entfallen somit alle. Im Grunde bestehen die Anschaffungskosten für eine Infrarotheizung nur aus den Kosten für die einzelnen Infrarot Heizkörper in jedem Raum.

In diesem Punkt wiederum ausschlaggebend ist die Größe der gewünschten Infrarotheizung, welche Leistung sie benötigt und die Art des gewählten Thermostats. Der Preis einer Infrarotheizung kostet, grob über den Daumen gepeilt, etwa 100 bis 1.000 Euro pro Raum. In Wohnungen fallen die Kosten häufig etwas niedriger aus als in Eigenheimen.

Haus Energie Effizienz
Infrarotheizungen sind in Sachen Stromverbrauch vor allem etwas für Gebäude mit hoher Energieeffizienz

Betriebskosten einer Infrarotheizung

Da eine Infrarotheizung kaum Wartung und Pflege benötigt, fallen die Kosten für den Service kaum ins Gewicht. Was aber wirklich ins Gewicht fällt, sind die Heizkosten, ergo die laufenden Kosten für den Strom, den ein Heizsystem mit Infrarotheizungen verbraucht. Die Stromrechnung sagt Dir am Ende, ob sich eine Infrarotheizung für Dich lohnt oder nicht.

Das alles entscheidende Zauberwort heißt Heizlast! Moderne Gebäude bzw. energieeffizient top modernisierte Immobilien haben nur eine geringe Heizlast. Häufig sind es genau auch diese Gebäude, bei denen zudem Photovoltaik für selbst erzeugten Strom sorgt, was die Effizienz ein IR-Heizung nochmals steigert.

Schließlich kannst Du auf diese Weise Deinen eigenen Strom direkt selbst verheizen und musst ihn nicht zu Dumpingpreisen ins öffentliche Netz einspeisen. Unterm Strich gilt: Nur in Häusern und Wohnungen mit geringer Heizlast sind die Betriebskosten einer Infrarotheizung als Hauptheizung letztlich wirklich akzeptabel. Hier entfaltet diese alternative Heizung mit ihrer speziellen Funktion die größte Wirkung.

Beispiele für mehr oder weniger gute Einsatzgebiete einer Infrarot Heizung nach Heizlast und Kosten durch Stromverbrauch*: 

Immobilie  Heizlast  👍🏼 geeignet / 
👎🏼 ungeeignet
Stromkosten p.a. 
Reihenmittelhaus (100 m2, Wohnfläche, Baujahr nach 1995, normale Windlage, 2.000 Heizstunden pro Jahr, Temperatur im Jahresmittel 9-10°C, zweistöckig, vollgedämmt, Fenster mit dreifach isoliertem Glas)  2,1 kW  👍🏼  1.260,00 Euro 
Doppelhaushälfte (100 m2, Wohnfläche, Baujahr nach 1995, normale Windlage, 2.000 Heizstunden pro Jahr, Temperatur im Jahresmittel 9-10°C, zweistöckig, vollgedämmt, Fenster mit dreifach isoliertem Glas)  6,6 kW  👍🏼/👎🏼  3.960,00 Euro 
Einfamilienhaus (100 m2, Wohnfläche, freistehend, Baujahr 1970-1980, normale Windlage, 2.000 Heizstunden pro Jahr, Temperatur im Jahresmittel 9-10°C, zweistöckig, teilgedämmt, Fenster mit zweifach isoliertem Glas)  12,6 kW 👎🏼  7.560,00 Euro

*Die Berechnungen sind Beispielrechnungen ohne Gewähr, die insgesamt auf durchschnittlichen Annahmen und auf einem Strompreis von 0,30 Euro/kWh beruhen. Für eine genaue Berechnung Deiner individuellen Heizlast solltest Du vorher unbedingt einen Heizungsinstallateur oder Energieberater konsultieren. 

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Falls Du eine Infrarotheizung beispielsweise nur als gelegentliche Zusatzheizung in einem gut gedämmten Innenraum (Bad, Hobbyraum usw.) einsetzen möchtest, kann sich das je nach Einzelfall natürlich auch in einem ansonsten ungeeigneten Gebäude lohnen. Immerhin sparst Du so womöglich den Einbau einer anderen, viel teureren Heizung.

Denk dran! 

Die Heizlast Deiner Immobilie bestimmt, wie leistungsstark Deine Hauptheizung sein muss. Für ältere Bestandsgebäude mit einer eher mittelmäßigen Dämmung sind Infrarotheizungen maximal als Zusatzheizungen empfehlenswert. Sonst sind sie echte Stromfresser. In Niedrig- und Niedrigstenergiehäusern (Passivhäusern) jedoch können Infrarotheizungen eine wirklich gute Alternative als Hauptheizung sein.

Infrarotheizung Wandgerät Sideboard
Weißes Infrarot Heizpaneel an der Wand über dem Sideboard ©PhotoSGH/Shutterstock.com

16 Vorteile und Nachteile zum Heizen mit Infrarot

Vorteile der Infrarotheizung  Nachteile von Infrarotheizungen 
günstig in der Anschaffung   hohe Stromkosten (Heizkosten) bei schlechtem Stromtarif 
einfach zu installieren, ohne aufwändige Zusatzeinbauten, Rohrleitungen, Ventile usw.  hohe Stromkosten (Heizkosten) bei unzureichender Dämmung der Gebäudehülle 
spendet angenehme Strahlungswärme  hohe CO-Emissionswerte bei Verwendung von Strom aus fossilen Energieträgern 
erzeugt keine Luftzirkulation und sorgt für ein gesundes Raumklima (besonders geschätzt von Allergikern und Asthmatikern) aufgrund der indirekten Wirkungsweise der Strahlungswärme kann sich die Luft im Raum manchmal kühler anfühlen, obwohl die Wärme im Raum eigentlich hoch ist 
quasi unsichtbare Einbindung in Stil und Design der Innenarchitektur möglich  kann die Luftfeuchtigkeit in Räumen mit ohnehin schon geringer Luftfeuchte noch mehr austrocknen 
schnelle Wirkung der Wärme, Heizleistung setzt quasi unmittelbar ein 
senkt die Luftfeuchtigkeit in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit 
Heizsystem mit hoher Energieeffizienz 
lange Lebensdauer 
geringe Kosten für Service und Wartung 
klimafreundliches, weil CO2-freies Heizen bei Verwendung von eigenem Strom aus Photovoltaik oder Windenergie 
FAQ
Wichtige Fragen und Antworten zur Infrarotheizung im Überblick

FAQ online: Ratgeber mit nützlichen Tipps zur Infrarotheizung

Was ist die beliebteste Infrarotheizung?

Je nach Anwendung und Wunsch nimmt die Beliebtheit von verschiedenen Modellen dieser Heizung immer mehr zu. So manche Infrarotheizung verzeichnet sogar eine sprunghaft steigende Nachfrage. Zum Beispiel sind Heizkörper, die als Infrarot Spiegelheizung im Bad für wohlige Wärme sorgen, ebenso auf dem Vormarsch, wie schöne Bildheizungen zur Wandmontage im Wohnzimmer oder Büro.

Wie viel Watt Heizleistung brauche ich mit Infrarot für einen Raum?

In einem gut gedämmten Raum brauchst Du mit Infrarot etwa 25 Watt Leistung pro m3 Rauminhalt, um eine angenehme Wärme zu erzeugen. Für einen Raum von 10 m2 Grundfläche bei 2,50 m Raumhöhe benötigst Du also einen Infrarot Heizkörper mit ca. 600 Watt. Ein gleich hoher Raum von 15 m2 bedarf einer IR-Heizung mit ca. 900 Watt. Für 20 m2 brauchst Du eine Infrarot Heizanlage mit ca. 1.200 Watt.

Warum heizt eine Infrarotheizung mit Thermostat besser?

Von einem Thermostat gesteuerte Heizsysteme arbeiten wesentlich energieeffizienter. Gute Thermostate sparen für gewöhnlich allein schon um die 30 Prozent Energie ein, ohne dass die Heizleistung negativ beeinträchtigt wird. Das gilt auch beim Einsatz eines Thermostats bei einer Infrarotheizung. Das Thermostat reguliert das Infrarot Heizpaneel stets so, dass es sich den Bedürfnissen des Raumes optimal anpasst.

Ist Infrarotstrahlung gesund?

Infrarotstrahlung im normalen Rahmen, wie sie von einem Infrarotheizkörper ausgeht, ist zumindest nicht schädlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erwähnt sogar explizit eine positive Wärmewirkung und benennt bewusst Einsatzgebiete wie die Medizin und den Wellnessbereich. Beschwerden wie Rheuma, Hexenschuss, Bandscheibenvorfall oder Gerstenkorn soll Infrarotstrahlung zum Beispiel positiv lindern.

Kaufratgeber zu elektrischen Heizsystemen:

Ratgeber Überblick elektrische Heizsysteme:

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