Gaspreise entspannen sich wohl erst ab 2025 wieder

Pipelines Gas
Verfasst von: Michael Claus
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Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert in ihrem aktuellen Gasmarktbericht, dass der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Erdgas auf absehbare Zeit weiterhin bei ca. 80 Euro verharren könnte. Aktuell geht die MWh Gas am internationalen Gasspotmarkt im Day-Ahead-Handel sogar für mindestens 90 Euro über den Tisch. Seinen absoluten Rekordwert erreichte der Preis in der Woche vor Weihnachten 2021, als die MWh Gas knackige 184 Euro kostete. 

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen halten die meisten Energiehändler die Prognose der IEA sogar noch für zu optimistisch eingeschätzt. Die Händler am besonders starken Handelspunkt TTF gehen beispielsweise davon aus, dass die Gaspreise im Day-Ahead-Handel am Erdgas-Spotmarkt EEX im Kalenderjahr 2022 im Schnitt bei etwa 90 Euro pro MWh notieren werden. Bei ungünstiger Entwicklung der politischen Lage könnten die bereits sehr hohen Gaspreise sogar noch weiter steigen. 

Gaspreise auf Allzeit-Rekordniveau 

Einig sind sich IEA und die Mehrzahl der Experten darin, dass die Gaspreise je nach Lageentwicklung noch eine ganze Weile auf Rekordniveau bleiben dürften. Bewahrheiten sich diese Voraussagen, steht Europa 2022 vor einem Allzeithoch bei den Gaspreisen. Denn in der Tat gab es bislang noch nie ein Jahr, in dem der Day-Ahead-Gaspreis auf Dauer durchschnittlich um die 80 Euro je MWh oder mehr gekostet hat. 

Noch vor einem Jahr kostete Gas etwa ein Fünftel des heutigen Preises.“

Verbessert sich die Lage auf der politischen Weltbühne, sollten sich laut IEA die Gaspreise in der zweiten Jahreshälfte wohl wieder entspannen. Verbessert sie sich nicht, könnten die Gaspreise weiter steigen. Wann genau sich die Angebotssituation wieder entspannt, bleibt unklar. Da bis dahin allerdings die meisten Gasspeicher in Europa starker Auffüllung bedürfen, könnte jede Entspannung ohnehin geringer als erhofft ausfallen.

Unsicherheiten und Klimaaspekte drücken weiter auf den Preis 

Mit Unsicherheiten über die politische Lage ist freilich besonders die von Russland verursachte schwierige Gemengelage in der Ukraine gemeint. Russland steuerte noch zu Jahresbeginn mehr als 50 Prozent zum deutschen Gasmix bei. Bricht Russland weitere Kriege vom Zaun bzw. führt bestehende fort, könnten Sanktionen und Lieferschwierigkeiten erhebliche Folgen für die weitere Entwicklung des Gaspreises haben. 

Weiterhin nach Norden zeigt der Gaspreis für den Endkunden nicht nur durch steigende Großhandelspreise. Auch die weiter steigende CO2-Abgabe auf Gas nimmt Einfluss. Denn diese erhöht sich 2022 erneut um 20 Prozent von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Allein dieser Faktor verteuert den Gaspreis für den gewöhnlichen privaten Haushalt um weitere rund 0,65 Cent pro kWh.

Vor dem Hintergrund der anderen schwerwiegenden Faktoren wirkt der Preisanstieg beim Gas durch die erhöhte CO2-Abgabe jedoch fast schon vernachlässigbar. Echte Entspannung erwarten die Energieexperten erst für das Jahr 2025. Die entsprechenden EEX-Erdgas-Jahreskontrakte werden aktuell für 45 bis 50 Euro je MWh gehandelt. Alle erwähnten Börsenwerte stammen von den Seiten der Energiebörse EEX (Stand: 7. Februar).

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