Ergebnisse des Modellvorhabens Bewusst heizen, Kosten sparen

Die zentralen Fragestellungen des Modellvorhabens lauteten:

1. Wie sind die Energieeinspareffekte durch monatliche Visualisierung von Heizenergieverbräuchen und wie entwickelt sich das Verbrauchsverhalten der Mieter über mehrere Heizperioden?
2. Ist das Energiedatenmanagement für Mieter wirtschaftlich?
3. Gibt es Hemmnisse bei der Anwendung des Energiedatenmanagements und falls ja, wie könnten diese überwunden werden?

Das Pilotprojekt liefert vor dem Hintergrund dieser Fragestellung folgende Antworten:

1.Einsparpotenziale dank monatlicher Verbrauchsinformation

Die regelmäßige Information zum Wärmeverbrauch führt bei den meisten Mietern zu einer Senkung des Heizenergieverbrauchs, die nachwirkt: Im Vergleich zur Heizperiode vor dem Projektstart konnten die knapp 189 Teilnehmer ihren Heizenergieverbrauch durchschnittlich um 10 Prozent senken. Zugleich gelang es den Teilnehmern in der Heizperiode mittelfristig, die weitgehend in der Heizperiode nach dem 1. Jahr erreichten Erfolge zu halten. Dieses Ergebnis zeigt: Die transparente Verbraucherinformation führt nicht zu einmaligen Effekten, sondern hat darüber hinaus einen positiven Einfluss auf den Heizenergieverbrauch.

Der Abgleich mit der deutschlandweiten Kontrollgruppe zeigt, dass dieses Ergebnis auf die Verbrauchsinformation zurückgeführt werden kann. Denn in der Kontrollgruppe sinkt der Heizenergieverbrauch nur zwei Prozentpunkte. Dass der Verbrauch in der Kontrollgruppe sinkt, entspricht dabei dem Trend im Bereich der Mehrfamilienhäuser in Deutschland: So belegt sowohl der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgegebene Wärmemonitor als auch die Daten des statistischen Bundesamts, dass der Wärmebedarf in den Mehrfamilienhäusern in Deutschland seit Jahren auf niedrigem Niveau rückläufig ist.

Zugleich zeigt die Auswertung: Auch die 736 indirekt Beeinflussten (IB) erreichen eine Senkung des Heizenergieverbrauchs (minus 8 Prozentpunkte). Dass auch die Gruppe der indirekt Beeinflussten ihren Heizenergieverbrauch senken konnte, könnte zum Teil darauf beruhen, dass auch diese Mieter über die persönlichen Anschreiben und die Aushänge im Haus, das Beratungsangebot sowie den Austausch innerhalb der Mieterschaft grundsätzlich für den Umgang mit der Heizenergie sensibilisiert wurden und entsprechend gehandelt haben. Auch die Ergebnisse aus den Mieterbefragungen lassen diesen Schluss zu.  

Bei der Verbrauchsentwicklung gibt es eine Bandbreite von zweistelligen Einsparungen bis hin zu Mehrverbräuchen in den untersuchten Mehrfamilienhäusern. Nicht jeder Mieter konnte also eine Einsparung erzielen. Technische Hintergründe für diese Entwicklung konnten ausgeschlossen werden. Hier gibt es weiteren Untersuchungsbedarf, um mehr darüber zu erfahren, warum diese Unterschiede auftreten und welche zusätzlichen Einflüsse es für das Verbrauchsverhalten gibt. Im Rahmen der Mieterbefragungen zeigte sich, dass sozioökonomische Faktoren wie das Alter oder das Einkommen dabei eine wichtige Rolle spielen können.

2.Wirtschaftlichkeit der Verbrauchsinformation

Ab einer Wärmeeinsparung von drei Prozent pro Jahr rechnet sich die monatliche Verbrauchsinformation für Mieterhaushalte, die mit Funktechnik ausgestattet sind und das Webportal nutzen, wenn man die aktuellen Energiepreise und die von ista veranschlagten Kosten von durchschnittlich etwa 20 Euro pro Jahr und Haushalt zugrunde legt. Reduziert der Mieter seinen Heizungsverbrauch stärker, bleibt ein Gewinn für die Haushaltskasse im niedrigen zweistelligen Bereich. Muss zunächst auf Funk-Messtechnik umgerüstet werden, müsste ein Mieter zwischen fünf und sechs Prozent seines Verbrauchs einsparen.

Im Modellprojekt, in dem die Mieter die Information kostenlos erhielten, konnten die meisten Mieter Einsparungen von mehr als 3 Prozent erzielen. Entsprechend war die Teilnahme am Modellvorhaben für die meisten Mieter (Ausnahme: zwei Liegenschaften in Essen) mit einer geringen Entlastung der Haushaltskasse verbunden.  

3. Verständlichkeit, Datenschutz und Mietereinschätzung

Bei der Anwendung des Energiedatenmanagements konnten keine schwerwiegenden Hindernisse über den Projektlaufzeitraum von drei Jahren ermittelt werden.Zwar war die Darstellung der Verbräuche bzw. deren Vergleich mit dem Vormonat in den Sommermonaten aufgrund der Klimabereinigung zum Teil mit Missverständnissen auf Seiten der Mieter verbunden, aber durch direkte Gespräche konnten sie behoben werden. Eventuell bietet es sich an, für diese Jahreszeit eine Erklärung zur Darstellung ins Portal zu integrieren oder auf eine Darstellung außerhalb der Heizperioden zu verzichten.

Trotz allgemeiner öffentlicher Diskussionen zum Themenkreis Datenschutz konnte im Modellvorhaben gegenüber diesem Thema kaum Sensibilität der Mieter festgestellt werden. Das Thema des sicheren Umgangs mit den Verbrauchsdaten ist sicherlich wichtig bei der weiteren Implementierung der unterjährigen Verbrauchsinformation, aber eine grundsätzlich ablehnende Haltung seitens der Mieter war im Projekt nicht erkennbar.

Vielmehr dokumentieren die jeweils im Frühjahr der Jahre 2014, 2015 und 2016 durchgeführten Teilnehmerbefragungen, dass über 70 Prozent der teilnehmenden Mieterhaushalte  ihren Umgang mit Heizenergie seit dem Projektstart effizienter gestaltet haben. Auf Basis der Einsparerfolge und des bewussteren Umgangs mit Energie sind daher über 85 Prozent der Nutzer zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Modellvorhaben und der monatlichen Verbrauchsinformation. Auf Grundlage der erzielten und gehaltenen Erfolge verwundert es nicht, dass der Anteil der Mieter, die Bekannten, Freunden und Kollegen grundsätzlich die Nutzung des Energiedatenmanagements empfehlen können, bei 90 Prozent liegt.


Weitere Ergebnisse der Verbrauchsauswertung und Mieterbefragungen liefert der PDF  Abschlussbericht  (2.6 MB) oder die PDF  englischsprachige Management Summary  (1.2 MB).