Transparenz schafft Effizienz: Ergebnisse im Modellvorhaben

Nach Auswertung von vier Heizperioden und tausender Verbrauchsdaten der beteiligten Mieter in den drei Modellregionen Essen, Berlin und München ergibt sich folgendes Ergebnis: Die Mieter, die monatlich über ihren Heizungsverbrauch informiert werden, können ihren Heizungsverbrauch im Durchschnitt um 10 Prozent senken.

Auch die Mieter in der Nachbarschaft profitieren im Praxistest: So sank in den Gebäuden der Modellregionen der Heizungsverbrauch im Durchschnitt um acht Prozent. Dies könnte insbesondere auf den verstärkten Austausch innerhalb der Mieterschaft und die erhöhte Sensibilisierung aller Mieter im Zuge der Projektansprache zurückzuführen sein.

Die Auswertung tausender Mehrfamilienhäuser aus ganz Deutschland, die über keine kontinuierliche Informationen zum Heizungsverbrauch verfügen, zeigt: In diesen Häusern sank der Wärmeverbrauch klimabereinigt nur minimal (zwei Prozent). 

Auf regionaler Ebene macht die aktuelle Auswertung deutlich: Bei der Verbrauchsentwicklung gibt es eine Bandbreite von zweistelligen Einsparungen bis hin zu Mehrverbräuchen in den untersuchten Mehrfamilienhäusern. Nicht jeder Mieter konnte eine Einsparung erzielen. Technische Hintergründe dafür konnten ausgeschlossen werden. Hier zeigt sich ein weiterer Forschungsbedarf, um den Umgang der Nutzer mit der Verbrauchsinformation untersuchen und mögliche Faktoren für das Verbrauchsverhalten identifzieren zu können. Im Rahmen der Mieterbefragung wurde deutlich, dass soziökonomische Faktoren wie das Alter oder das Einkommen dabei eine wichtige Rolle spielen können. 

Wirtschaftlichkeit der regelmäßigen Verbrauchsinformation

Ab einer Wärmeeinsparung von drei Prozent pro Jahr rechnet sich die monatliche Verbrauchsinformation für Mieterhaushalte, die mit Funktechnik ausgestattet sind und das Webportal nutzen, wenn man die aktuellen Energiepreise und die von ista veranschlagten Kosten von durchschnittlich etwa 20 Euro pro Jahr und Haushalt zugrunde legt. Reduziert der Mieter seinen Heizungsverbrauch stärker, bleibt ein Gewinn für die Haushaltskasse im niedrigen zweistelligen Bereich.

Muss zunächst auf Funk-Messtechnik umgerüstet werden, müsste ein Mieter zwischen fünf und sechs Prozent seines Verbrauchs einsparen. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Kosteneinsparung als alleiniger Motivator nicht ausreicht. Der Schwerpunkt bei der Motivation liegt daher stärker darin, dass Mieter mit dem Instrument Verbrauch und Kosten im Griff behalten können.

Im Modellprojekt, in dem die Mieter die Information kostenlos erhielten, konnten die meisten Mieter Einsparungen von mehr als 3 Prozent erzielen. Auf Basis der durchschnittlichen Einsparung lag die Einsparhöhe bei rund 50 Euro pro Jahr und Haushalt.

Ergebnisse: Mieterbefragungen 2014 - 2016

Jeweils zum Ende der Heizperioden wurden die Mieter in den Modellregionen zur Nutzung des Online-Tools und zu ihrem Heizverhalten befragt, damit mögliche Hürden bei der Anwendung des Energiedatenmanagements identifiziert und überwunden werden konnten.

Diese Befragungen belegen insgesamt, dass über 70 Prozent der teilnehmenden Mieterhaushalte  ihren Umgang mit Heizenergie seit dem Projektstart effizienter gestaltet haben. Auf Basis der Einsparerfolge und des bewussteren Umgangs mit Energie sind daher über 85 Prozent der Nutzer zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Modellvorhaben und der monatlichen Verbrauchsinformation. Auf Grundlage der erzielten und gehaltenen Erfolge können 90 Prozent der befragten Mieter die Nutzung des Energiedatenmanagements, Bekannten, Freunden und Kollegen grundsätzlich empfehlen.

Insbesondere die zuletzt durchgeführte sozioökonomische Befragung lieferte wichtige Anhaltspunkte für die Erklärung der unterschiedlichen Verbrauchsentwicklung innerhalb der Mieter im Projekt: So scheinen weniger die regionale Verortung, sondern eher sozioökonomische Faktoren wie das Alter oder das Einkommen für den Umgang mit Wärme eine Rolle zu spielen.

Mehr zu den Ergebnissen der Befragungen finden Interessierte im Abschlussbericht.

Mehr zu den Ergebnissen des Modellvorhabens finden Interessierte im PDF  Abschlussbericht  (2.6 MB) oder in der PDF  englischsprachigen Management Summary  (1.2 MB).

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Statement von Andreas Kuhlmann zu den Ergebnissen im Modellvorhaben

"Die Verbrauchsinformation wirkt bei den meisten Mietern. Zugleich zeigt der Abschlussbericht auch: Es gibt nicht den einen Mieter, der sich mit der Information immer gleich verhält, sondern unterschiedliche Verhaltenstypen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Verbrauchsinformation eine wichtige Basis für ein bewusstes Heizverhalten ist."

Grafik: Heizungsverbrauch im Vergleich

Heizungsverbrauch der Mieter im Modellvorhaben im Abgleich zu den Mietern der Kontrollgruppe (energetisch vergleichbare Mehrfamilienhäuser aus ganz Deutschland ohne Verbrauchsinformation) im Vergleich der letzten Heizperiode (2016) zur Heizperiode 2012.